Die Geschichte des Druckwesens in Memel (Klaipeda) ist von der Geschichte der Familie Siebert schwer zu trennen. Die fast hundert Jahre in Memel herausgegebene Zeitung „Memeler Dampfboot“ und das erhalten gebliebene Gebäude vom Verlag und der Druckerei zeugen von den Spuren dieser Familie in der Stadt. Anhand vorhandener Quellen kann man die Geschichte der Familie Siebert bis 1748 zurückverfolgen. In diesem Jahr wurde Christian Siebert, Riemermeister in Bartenstein (Ostpreußen) geboren. Die Verleger- und Druckerdynastie begann 1833 mit dem in Heilsberg (Ostpreußen) geborenen Friedrich Wilhelm Siebert, der 1861 eine Druckerei in Heydekrug eröffnet hat. 1866 siedelte er nach Memel um, wo er einige Druckereien erwarb und 1872 kaufte er auch die Druckerei von August Stobbe, in der seit 1849 die Zeitung „Memeler Dampfboot“ herausgegeben wurde. Vier Söhne von F.W. Siebert waren auch im Druckwesen tätig und wurden Verleger.

Hermann Wilhelm (Willy) Siebert (geb. 1868) kaufte von H. Holz und M. Schernus in der Großen Wasserstraße (Memel) eine kleine Druckerei ab, in der die Zeitungen „Memeler Zeitung“ und „Lietuwiszka Ceitunga“ herausgegeben wurden und 1899 übernahm er auch die Druckerei des Vaters. Sein in demselben Jahr geborener Sohn Friedrich Wilhelm Siebert setzte die vom Vater begonnene Tätigkeit fort und nahm die Herausgabe vom „Memeler Dampfboot“ nach dem Krieg in Deutschland wieder auf.
Brüder von Hermann Wilhelm (Willy) Siebert: Carl Walter Siebert (geb. 1873) übernahm den Verlag seines Vaters in Heydekrug, in dem das „Heydekruger Kreisblatt“ herausgegeben wurde, und nach 1923 setzte er seine Tätigkeit in Deutschland fort. Richard Adolf Siebert (geb. 1877) erlernte auch das Buchdruckerhandwerk und übernahm kurzfristig eine der Druckereien seines Bruders in Memel. Später wurde er Kaufmann und arbeitete in Deutschland. Ludwig Kurt Siebert (geb. 1878) erwarb 1904 eine Papier- und Schreibwarenhandlung sowie die Druckerei von Johannes Schenke und gab die Zeitung „Memeler Kreisblatt“ heraus. Er baute seine Firma aus. 1924 nannte er sie in „Bürohaus Kurt Siebert & Cie“ um. Nach seinem Tod 1931 wurde die Druckerei vom Sohn Karl Heinz Siebert übernommen und weiter ausgebaut.
Die Ausstellung schildert die Geschichte einer Druckerdynastie mit persönlichen Dokumenten und Fotografien. Im Weiteren werden Druckerzeugnisse und  handgeschriebene Dokumente aus dem Archiv der Arbeitsgemeinschaft der Memellandkreise e.V. (AdM) und aus Fr. Karin Gogolkas persönlicher Sammlung ausgestellt. Im Archiv sind die von den Verlagen und Druckereien der Familie Siebert herausgegebenen Bücher, Vordrucke, Sparbücher und andere Druckerzeugnisse vorhanden.
Besonders wertvolle und einzigartige Exponate sind die von Herbert Reissmann 1938 entworfenen Baupläne des Verlagsgebäudes „Memeler Dampfboot“ mit von Hand vorgenommenen Eintragungen sowie Fotografien und verschiedene persönliche Dokumente aus damaliger Zeit, die zum ersten mal ausgestellt werden.
Ein Teil dieser Ausstellung ist der Periodika und hauptsächlich der Zeitung „Memeler Dampfboot“ (ein Teil der Ausgaben gehört auch zum AdM – Archiv) gewidmet.